Ghana:
Berufsbildungszentrum in Ashaiman
a)
Projektreise des
Vorsitzenden Dr. Winter in 2002
b) Erweiterungen (Kantine, Autowerkstatt) und eine
Zahnstation in 2003/2004
c) Impressionen aus Westafrika - Dr. Jobst-Wilken
Carl, Vorsitzender der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KZVN)
berichtet
Es handelt sich bei den Auszubildenden und den Bewohnern des nachfolgend beschriebenen Hostels ausschließlich um ehemalige Straßenkinder oder marginalisierte Jugendliche, sowie um Jugendliche, die vorzeitig die Schule verlassen haben, da ihre Eltern nicht für das Schulgeld oder für die Kosten des didaktischen Materials aufkommen konnten. Projektträger ist die Provinz GEK der Salesianer Don Boscos (Norddeutsche Provinz).
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Bisheriges Kursangebot (1999 bis 2004): |
Durchschnittliche |
Durchschnittliche |
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Elektriker: |
20-25 |
40-50 |
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Elektronik: |
15-20 |
30-40 |
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Kühltechnik und Aircondition: |
20-25 |
40-50 |
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Sekretariat/ EDV: |
25-30 |
50-60 |
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Schweissen: |
15-20 |
30-40 |
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Summe |
95-120 |
190-240 |
![]() Berufsschule und Ausbildungszentrum |
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![]() |
![]() |
Projektreise vom
13.-18.11.2002 Dr. Klaus Winter, Vors. des HDZ
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Es ist früh am Morgen im Hafengebiet von Tema bei Accra, in Ghana, an der Westküste Afrikas. Hunderte von zerlumpten Kindern und Jugendlichen, die die Nacht im Freien verbracht haben, suchen nach einer Waschgelegenheit oder nach einem heißen Getränk. Ein Salesianerpater taucht auf. Es dauert keine Minute und er ist umringt von einer Gruppe von Kindern und Jugendlichen, die ihm die Hand drücken, ihn fröhlich begrüßen aber auch ihre Nöte vorbringen. Der eine hat Zahnschmerzen, der andere braucht dringend eine neue Hose und fast alle fragen, ob er ihnen eine Arbeit beschaffen kann. |
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![]() Die Slums von Tema
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An einem dieser Tage bin ich, Klaus Winter, sonst ganztägig in Bad Lauterberg im Harz zusammen mit meiner Frau als Zahnärzte tätig, hier mittendrin, in Schwarzafrika. Ich interessiere mich für die Situation vor Ort, denn ich bin zugleich seit wenigen Jahren Vorsitzender des Hilfswerks Deutscher Zahnärzte für Lepra- und Notgebiete. In diesem Moment trägt mir Pater Ivan seine Nöte vor. Hier in Tema leben 100.000 Menschen in unwürdigen Verhältnissen. Sie stammen meist aus dem Norden des Landes, wo die Trockenheit der Savannen und die Armut zunehmen. Die Salesianer Don Boscos, bei denen ich zu Gast bin und denen Pater Ivan angehört, sind in der Nähe des Hafengebietes zu Hause. Sie nehmen sich besonders der Straßenkinder an. Aber sie spüren: Es reicht nicht, sie ab und zu karitativ zu betreuen oder mit ihnen zu spielen und Sport zu treiben. Es entstand der Plan ein Jugendzentrum zu bauen, in dem täglich Kinder und Jugendliche zusammen kommen können um Hausaufgaben zu machen und ihre Freizeit sinnvoll zu gestalten, wo aber auch berufliche Ausbildungskurse angeboten werden, dergestalt, dass sie damit bald Arbeit finden. Diese Einrichtungen der Salesianer Don Boscos sind in aller Welt bewährt. Deshalb stimme ich dem Plan zu, dass Zentrum zu bauen, für das die Stadt Tema schon ein Grundstück angeboten hat. Dies alles geschah vor 3 1/2 Jahren. |
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Seit dieser Zeit unterstützt die Stiftung Hilfswerk Deutscher Zahnärzte für
Lepra- und Notgebiete Projekte für vernachlässigte Kinder und Jugendliche in
Ghana, am Golf von Guinea. |
![]() Eröffnung des Berufsbildungszentrums am 14.11.2002
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![]() Ausbildung in Elektrik und EDV, sowie ...
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Diese Werkstätten bilden qualifizierte Tischler, Maurer, Schneider, Schlosser,
Elektriker, Elektroniker, Kälte- und Klimatechniker und Bürokaufleute aus. |
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Ein ähnliches Berufsbildungsprojekt mit zusätzlicher landwirtschaftlicher
Ausbildung liegt in Sunyani, etwa sieben Autostunden (etwa 400 km) nordöstlich
von Ashaiman, im Landesinneren, entfernt. Hier im Nordosten Ghanas haben genau
vor zehn Jahren die Salesianer begonnen, die Armut zu bekämpfen. Diesem Projekt
sind mehrere kleine, sehr arme Pfarreien angeschlossen, so dass ich mich schon
bei meinem ersten Besuch 1999 spontan entschieden hatte, für das Dorf Odumasi
eine Grundschule zu errichten. |
![]() Grundschule Odumasi: Dr. Rüttgers und Dr. Winter bei ihrem Informationsbesuch |
Armut in Ghana hat viele Gesichter. Sie begegneten uns in Menschen ohne Nahrung,
ohne Wohnung, ohne Ausbildung. Am schlimmsten ist es, wenn die Armut im Gesicht
eines jungen Menschen uns begegnete. Es gibt wohl keinen einleuchtenderen Grund
für diese Hilfe als den, der durch ein Salesianer-Mitarbeiter genannt wurde: „Es
kann ja nicht sein, dass ein Kind leiden muss, nur weil es auf einem anderen
Breitengrad geboren ist.“
09.12.2002 Dr. Klaus Winter
*)
Herr Dr. Rüttgers schrieb zu unserem gemeinsamen Treffe am 9.1.2003 u.a.:
"Danken möchte ich Ihnen aber auch für den
packenden Reisebericht, den Sie Ihren Weihnachtsgrüßen beigefügt haben. Der
Besuch des Berufsbildungszentrums in Odumasi hat mich ebenfalls stark
beeindruckt.
Besonders angetan war ich vom Lebensmut und dem ansteckenden Optimismus der
Kinder und Jugendlichen. Trotz zahlreicher Sorgen und der verbreiteten Armut
tragen sie stets ein Lächeln auf den Lippen.
Meine Reise nach Ghana hat mir die Wichtigkeit einer nachhaltigen
Entwicklungshilfepolitik eindringlich vor Augen geführt. Die Menschen in Ghana
verdienen unsere Hilfe und das Gefühl, dass wir für sie da sind. Ihr Lächeln und
ihre überwältigende Gastfreundschaft waren für mich der schönste Dank.
Ich wünsche Ihnen für Ihre Arbeit als Vorsitzender der Stiftung Hilfswerk
Deutscher Zahnärzte alles Gute und Gottes Segen.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Jürgen Rüttgers "
2003 und 2004 wurden bzw. werden an unserem Projekt Erweiterungen durchgeführt.
Es handelt sich dabei um eine
Kantine, welche bereits fertig gestellt, und eine kleine Autowerkstatt, die noch
im entstehen ist. Zusätzlich haben wir im Frühjahr 2003 an die Einrichtung eine
komplette Zahnstation geliefert, welche im benachbarten Krankenhaus National
Catholic Service Centre , Ashaiman, installiert ist, um so auch anderen
Bedürftigen eine zahnärztliche Versorgung zu bieten.
Kantine:
Da die Jugendlichen des Don Bosco Zentrums ihr Mittagessen nur unter Bäumen oder
auf den Vorplätzen der Schulgebäude einnehmen konnten und ihr Essen von
Straßenhändlern kaufen mussten, denen es an hygienischen Mindeststandards
fehlte, wurde ein überdachter Essplatz mit einem dazugehörigen Küchenraum
geschaffen. Außerdem wurde ein Lagerraum für Nahrungsmittel errichtet. Eswurden
so Räumlichkeiten für die Zubereitung und den Verzehr von Nahrungsmitteln
geschaffen, die auch die Gemeinschaft unter Jugendlichen und Ausbildern und eine
familiäre Atmosphäre fördern. So wurden die Jugendlichen dazu motiviert, ihre
Ausbildung zielbewusst zu verfolgen und damit einen Platz in der Gesellschaft zu
finden. Die Kosten sind mit 20.000 € projiziert.
Autowerkstatt:
Um die Zahl der Ausbildungsplätze am „Don Bosco Vocational Training Centre
Ashaiman um 80 zu erweitern, ist zusätzliche Infrastruktur und zusätzliches
qualifiziertes Personal notwendig. Es soll eine Werkhalle für die beiden
Ausbildungsbereiche Kfz-Mechanik und Metallarbeit gebaut und ein jeweils
zweijähriger Kurs mit einem NVTI-Abschluß eingerichtet werden. Die Kosten sind
mit 256.100 € projiziert.
Im April 2004 erhielten wir von Pater Karikunnel einen
Brief über die aktuelle Lage in dem Ausbildungszentrum (s.u.).
Sehr geehrter
Herr Dr. Winter ,
nach vielen Wochen des Hämmerns, Bohrens und Sägens ist die Kantine jetzt
endlich fertig und wurde heute morgen zum ersten Mal in Betrieb genommen.
Wie auf einem der Fotos zu erkennen ist haben wir sie, um Platz zu sparen,
zweistöckig gebaut. Auf dem anderen Foto sieht man, wie die Internatsschüler
sich gerade das Abendessen an ihrer eigenen Feuerstelle zubereiten. Das macht
ihnen immer sichtlich Spaß. Ich habe das Gefühl sie sind richtig stolz auf ihre
neue Kochstelle und freuen sich wirklich immer wieder aufs Neue darauf sie zu
benutzen. Am Wochenende war fast ständig jemand dort um sich etwas zu brutzeln.
Weil sie ihr Essen mit kleinen Grills so genannten "Coal Pots" oder direkt über
dem offenen Feuer kochen und dadurch viel Schmutz entstehen schien uns die
separate Kochstelle für die beste Lösung.
Morgens vor der Schule wird zwischen 7.00 Und 7.30 Uhr ein Frühstück bestehend
aus Haferflockenbrei und Tee angeboten. Heute am ersten Tag waren alle Schüler
so überrascht und unvorbereitet, dass noch niemand etwas gekauft hat, aber ich
bin sicher, dass es sich bald eingespielt habe wird. In der Mittagspause werden
sicherlich schon einige von ihnen ihr Essen dort kaufen und in wenigen Wochen
kann man sich die Kantine dann schon gar nicht mehr wegdenken.
Schritt für Schritt füllt sich unser Gelände. Mit der neuen Kantine und der vor
drei Wochen eingeweihten Mehrzweckhalle sind zwei wichtige Gebäude zur
Vervollständigung unseres Ashaiman Projekts errichtet worden. Kurz vor der
Fertigstellung der Kantine haben wir zudem mit dem Bau von drei weiteren
Gebäuden beginnen können:
Gegenüber der Mehrzweckhalle soll eine größere Autowerkstatt gebaut werden.
Dadurch entsteht ein Ausbildungsgang - und für den Absolventen die sehr guten
Chancen, danach einen Arbeitsplatz zu erhalten. Neben dem schon bestehenden
Internatsgebäude wird zurzeit das Fundament für das zweite "Hostel" ausgehoben.
Dadurch werden sich die Aufnahmemöglichkeiten von 30 auf 60 Schüler verdoppeln.
Vor kurzem sind die englischsprachigen, westafrikanischen Länder zu einer
eigenen Provinz zusammen gefasst worden und Ashaiman ist als Hauptsitz bestimmt
worden. Deswegen wird nun neben unserem Salesianerwohnhaus das neue
Provinzialhaus gebaut. Mit dessen Fertigstellung wird allerdings erst in zwei
Jahren gerechnet.
Als wir Ende letzten Jahres die
Eingangstests für die neuen Bewerber durchführten, stellten wir fest, dass etwa
die Hälfte durch diesen wirklich einfachen Test durchgefallen sind. Der Test hat
etwa das Niveau von der vierten Grundschulklasse. Wenn man bedenkt, dass fast
alle unserer Bewerber 10 Jahre Schule hinter sich haben, ist das wirklich sehr
beschämend und zeigt, wie schlecht das Schulsystem in Ghana ist. Nun hat diese
Gruppe von Jugendlichen in Ghana keine Chance an einer formalen Berufsausbildung
teilzunehmen oder auf eine weiterführenden Schule zu gehen. Um nun auch diesen
Jugendlichen eine Möglichkeit zu bieten, in den Arbeitsmarkt als qualifizierte
Fachkräfte einzusteigen, haben wir ihnen angeboten, an einem einjährigen
Vorbereitungsjahr teilzunehmen. Zu unserer großen Überraschung haben 68 Schüler
dieses Angebot angenommen. Somit haben wir drei neue Klassen eingerichtet. In
diesen Tagen haben wir auch unsere "Katakombe" (der Keller unter der Bühne in
der Mehrweckhalle) eingerichtet. Dort feiern wir jetzt jeden Morgen
Gottesdienst. Auch die Jungs im Hostel sind dazu eingeladen. Obwohl. das Angebot
freiwillig ist, nimmt daran fast jeder teil.
Vielen Dank für die großzügige Unterstützung der letzten Jahre, ohne die viele
unserer Aktivitäten zum Wohle der vernachlässigten Jugend nicht möglich währen.
Herzliche Grüße und Gottes Segen,
Ihr Pater Michael Karikunnel
Impressionen aus Westafrika
Im Herbst 2007 unternahm der
Vorsitzender der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KZVN), Dr.
Jobst-Wilken Carl eine Reise nach Westafrika. Im Niedersächsischen
Zahnärzteblatt (1/08) schildert er seine Eindrücke von der Besichtigung der von
uns finanzierten Projekte.
Lesen Sie seinen Bericht ....