
Krankenhausprojekt Kampong Thom
| Der triste Zustand
und der dringende Bedarf für dieses Krankenhauses - ebenfalls in
Kambodscha gelegen - hat das HDZ veranlasst, eine
Finanzierungszusage für Sanierung und Einrichtung zu geben. Während
des Pol Pot Regimes ist diese Anlage stark vernachlässigt und danach
nie wieder saniert worden. Mit Hilfe von GTZ Experten vor Ort und
des ehemaligen deutschen Botschafters in Kambodscha und
Mitglied des Kuratoriums, Dr. v. Treskow,
wurde dieses Projekt erfolgreich und unter großer Beachtung abgeschlossen.
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Das Krankenhauswunder am River Stung
(Der Autor, Dr.
Wiprecht von Treskow, war von 1994 bis 1997 Botschafter im Königreich
Kambodscha, und besuchte als EU-Wahlbeobachter im Januar 2002 Kampong
Thom )
Teil 2
Was die Herrschaft der "Roten
Khmer" (1975- 1979) von der einst nach Tausenden zählenden Ärzteschaft
Kambodschas übrigließ, war an zehn Fingern abzuzählen.
Verschwunden war auch die gesamte Richter- und Anwaltschaft, eigentlich
die gesamte 'inteligencja' vom Handwerksmann aufwärts. In Trümmern
gingen Hochschulen, Schulen, Krankenhäuser, Archive, Bibliotheken,
Schul- und Lehrbücher: Jedwede Spur eines geistigen
Lebens.
Das von der französischen
Kolonialmacht (1863 - 1953 )
begonnene Krankenhaus in Kampong Thom, drei Autostunden nördlich der
Hauptstadt Phnom Penh, ist eines der vielen Beispiele jener
fernöstlichen Variante menschlichen Wahnsinns, der sich hier fast
ausschließlich gegen das eigene Volk gewandt hatte, das nach der
Ideologie der Pol-Pot-Genossen nur noch Reisbauern kennen sollte. Ein
bis zwei Millionen Kambodschaner wurden bei diesem kommunistischen
Experiment ermordet, weitere Millionen flohen nach Übersee.

Kampong Thom, das etwa 15 000 Einwohner zählt, ist die Hauptstadt der
gleichnamigen Provinz von 600 000 Einwohnern. Mit Mitteln des von Dr.
Klaus Winter, Bad Lauterberg, geleiteten "Hilfswerks deutscher Zahnärzte
für Lepra- und Notgebiete" (HDZ) wurden dort vier Fast-Ruinen des am
River Stung gelegenen Provinzkrankenhauses in wahre Juwele verwandelt.
Im Januar 2002 konnten sich einige Abgeordnete des Deutschen Bundestages
davon überzeugen. Bis zum Jahresende 2002 werden dann die Chirurgie, die
Intensivstation plus Laboratorium, die Innere Medizin und die
Entbindungsstation wieder hergerichtet sein. Die Bauarbeiten werden -
ehrenamtlich von den beiden Mitarbeitern der Deutschen Gesellschaft für
Technische Zusammenarbeit (GTZ), Frau Dr. med. Gertrud Schmidt-Ehry und
ihrem französischen Ehemann Christian Pichon, und dem Botschaftssekretär
Robert Strnadel geleitet und überwacht. (Wie fromme Juden zu sagen
pflegen: "Mögen ihre gute Taten der Zahl ihrer Tage auf Erden
hinzugerechnet werden! ")
Das
Gesamtprojekt, das fertiggestellt mehr als 300 000 Euro gekostet haben
wird, soll Kambodschas König Norodom Sihanouk im Oktober von Botschafter
Dr. Ohlraun im Namen des HDZ zum 80.Geburtstag geschenkt werden, was
dann erhoffen lässt , dass die Gebäude vom König selbst oder von einem
Mitglied der Königlichen Familie feierlich eingeweiht werden.
In einem weitläufigen Gelände am Rande der kleinen Stadt leuchten jetzt
die hellen Gebäude mit den blitzenden neuen Fenstern und den roten
Dächern zwischen den Zuckerpalmen hervor. Gärtnerisch gestaltet wird das
alles noch ansehnlicher aussehen.
In den Gebäuden wich jahrzehntelanger Müll auf den zersplissenen
Terracottaböden großen
hellgrauen Bodenkacheln, und gekachelt sind auch viele der Räume bis zu
1.50 Meter Höhe. In den "sensiblen"
Räumen gibt es Klimageräte.
In allen kambodschanischen Krankenhäusern sind die Behandlungstarife für
jeden lesbar ausgehangen. Meist sind das von Tropensonne und Wund
gegerbte DIN A 4 - Anschläge an der Kasse. In Kampong Thom ragt in der
freundlich gekachelten, weitläufigen Eingangshalle eine riesige
Holztafel auf, die in etwa dreißig Positionen jene Honorare nennt, die
über eine Basisbehandlung hinausgehen. In einem Land mit einem
Jahresbruttodurchschnittseinkommen von 260 US-$ wirken die Preise recht
gepfeffert. Das geht vom "Leistenbruch (die kambodschanischen Riel
nachfolgend in Euros umgerechnet) - 20 Euro ", bis hin zu "Phymose ",
"Luxation" und "Fettgeschwulstentfernung". Und amputiert wird auf Wunsch
alles, was sich mit dem Skalpell demontieren lässt: " Finger - 20 Euro",
"Hand - 50 Euro", "Penis - 25 Euro ". Well--
Die junge Ärzteschaft ist dankbar und stolz auf die neuen Gebäude, auf
deren Fertigstellung sie
kaum zu hoffen wagten, als die Pläne 1999 erstmals mit ihr besprochen
wurden. Auch in Kambodscha wird zuweilen viel versprochen und wenig
davon gehalten. Nicht nur die großen Messingplaketten an den Eingängen
der vier Gebäude weisen jetzt auf das HDZ als den Wort haltenden Spender
hin. Auch in den bewegenden Gesprächen mit den Verantwortlichen wird
deutlich, wie dankbar sie für die ungewöhnliche Spendenidee des im Jahr
2001 verstorbenen Gründers des Hilfswerks Deutscher Zahnärzte für Lepra-
und Notgebiete, Herrn Zahnarzt Carl Heinz Bartels, sind: Denn es ist das
von Ihnen - den Patienten - gespendete alte Zahngold, das dieses
Krankenhauswunder am fernen River Stung Wirklichkeit werden ließ.