Malaysia:
(Lehr-)Werkstatt zur Kokosholzverarbeitung in Sikuati, 89058 Kudat / Sabah
Ein Bericht von Otto Dilger, Projektleiter, Pfarrer i.R.
Am 6. März haben wir die Werkstatt festlich eingeweiht.
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In der Woche zuvor war, so schien es, die Regenzeit noch einmal zurückgekehrt. Es goss "wie mit Kübeln geschüttet", und die Bauern unter den Rungus fürchteten ernsthaft um die reiche Reisernte, die in diesem Jahr herangewachsen war. Als wir den neuen Kirchenpräsidenten Sopirid Masandu fragten, ob wir unter diesen Umständen nicht die Einweihung verschieben sollten, meinte der: "Das ist zu schwierig. Der Landtagsabgeordnete Atong Mangabis hat sich auf diesen Tag eingestellt, wir haben öffentlich dazu eingeladen und auch für die Verköstigung der Gäste alles vorbereitet."
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Doch am Morgen des 6. März weckte uns ein strahlend
blauer Himmel, und es blieb auch den ganzen Tag über schön! So konnte
das Fest einen fröhlichen Verlauf nehmen.
Nach einer kurzen Andacht wurde das Absperrband durchschnitten und der
Schlüssel überreicht, die obligatorischen Reden gehalten und feierlich
vom Regierungsvertreter die Tafel mit dem Namen der Werkstatt enthüllt:
"Nizuw lndustri Sdn. Bhd.", auf deutsch: "Kokosholz-Industrie GmbH" und
dem Einweihungsdatum. Die Tafel weist auch auf die große Spende des
Hilfswerks Deutscher Zahnärzte hin, ohne die das ganze Unternehmen gar
nicht möglich geworden wäre.
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Anschließend drängten sich die Gäste in den Ausstellungsraum, um die hübschen Möbel anzusehen, die in den Wochen zuvor entstanden waren und natürlich auch die für die meisten recht ungewohnten Spielsachen, die unsere vier gelernten Handwerker aus übrig gebliebenen Abschnitten von Kokosholzbrettern fabriziert hatten.
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Für die Möbel gingen gleich eine Anzahl von Bestellungen
ein; die Spielsachen sind für den Export nach Europa gedacht; denn die
Regierung verlangt von der Werkstatt, dass sie einen bestimmten
Prozentsatz ihrer Produkte exportiert.
Ein besonderer Anziehungspunkt war das Mitarbeiterhaus, das fast ganz
aus Kokosholz gebaut ist. Besonders schön sind die Türen aus diesem
Material. Auch dafür liegen bereits so viele Bestellungen vor, dass sich
eine Serienfertigung nahe legt. Damit werden sie dann konkurrenzfähig
mit Türen aus hergebrachtem Material.
Vor dem gemeinsamen Festmahl mussten die drei Redner, nach
Kirchenpräsident Sopirid und dem Landtagsabgeordneten Atong also auch
ich, je eine junge Kokospalme pflanzen, sozusagen als lebendige
Erinnerung an den Tag der Einweihung. Alles in allem eine wohl gelungene
Veranstaltung. - Übrigens hielt das schöne Wetter und die Ernte konnte
eingebracht werden.
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Zwei Tage nach der Einweihung gelang es uns, noch eine weitere wichtige Entscheidung für den weiteren Verlauf des Projekts zu treffen:
Schon im letzten Herbst hatte uns ein Berater gesagt,
wir bräuchten unbedingt einen "Manager", der die Arbeitseinteilung der
voll ausgebildeten und der angelernten Mitarbeiter koordinieren kann.
Johannes Schwegler, ein deutscher Schreinermeister, der von der Basler
Mission für drei Wochen für unser Projekt freigestellt worden war , kam
zum gleichen Schluss. Wir hatten eigentlich gehofft, unsere vier
Absolventen der indonesischen Holzfachschule würden das unter sich
ausmachen können, ohne einen weiteren "Boss " über sich zu brauchen. Wie
richtig dieser Rat aber doch war, zeigte sich in den Wochen vor der
offiziellen Eröffnung, als die vier jeder sein eigenes Vorzeigemöbel
herstellte. Immer wieder gab es Engpässe in der Maschinenbenützung und
dementsprechend auch teure Leerlaufzeiten für den einen oder anderen.
Wie stark sich das auf den Endpreis der Produkte auswirkt, hatten die
vier bei J. Schwegler berechnen gelernt. Doch entsprechende
vorausschauende Planungen schafften sie noch nicht.
So entschlossen wir uns, dem Rat zu folgen. Es gab einen Bewerber, der
zwar nach seinen Zeugnissen hoch qualifiziert war in Fragen der
Arbeitsorganisation, aber nicht selber Schreiner war. Seine
Gehaltsforderung war sicher angemessen, hätte aber unser Budget doch
sehr belastet. Eine zweite Person hatte ich selber angesprochen und um
Rat gefragt, wer denn für einen solchen Posten in Frage kommen könnte.
Das war die Tochter eines früheren Schülers von mir, von der ich wusste,
dass sie Schreinerin geworden war, dann etliche Jahre in Kudat die
Schreinerei eines Chinesen geleitet hatte, bevor sie heiratete und weg
gezogen war. Sie hatte auf meinen Brief hin sofort telefonisch
geantwortet und gesagt, sie wolle sich die Werkstatt einmal ansehen.
Leider konnte sie erst am 8. März, also nach dem Einweihungsfest,
kommen.
Als sie dann kam, zeigte es sich, dass sie sich selbst für die Stelle
interessierte und dass sie wohl auch die richtige Person war. Sie
besichtigte die Werkstatt nicht nur, sondern legte gleich selbst Hand
an, zeigte den Mitarbeitern, wie sie bestimmte Dinge besser und
schneller erledigen kolli1ten u.ä. Es war sofort deutlich, dass die
Mitarbeiter sie als Autorität anerkennen würden. - Sie hatte eine
Arbeitsstelle in der Nähe von Sandakan, die nichts mit Schreinerei zu
tun hatte. Aber dort hatte sie bereits vor meiner Anfrage auf den 1.
April gekündigt, da sie in der dortigen Gegend nur ganz schwer Leute
finden konnte, die tagsüber nach ihren zwei kleinen Kindern sahen. Ihre
Eltern, bei denen sie die Kinder lassen kann, wohnen nur wenige
Kilometer von Sikuati entfernt. Für ihren Mann würde sich leicht auch in
der Kudater Umgebung eine Arbeit finden, davon war sie überzeugt. Und
sie meint, sie werde mit den vorhandenen Mitarbeitern und der Werkstatt
in wenigen Monaten Gewinn erwirtschaften können. Ihre Gehaltserwartung
war etwa knapp halb so hoch wie die ihres Mitbewerbers.
So fiel uns die Entscheidung nicht schwer. Es gibt in Sabah sicher nur
ganz wenige Betriebe, die von Frauen geleitet werden. Also noch ein
Pionierschritt von "Nizuw Industri Sdn. Bhd." ! Alles, was wir seither
aus Sikuati hören, spricht dafür, dass es die richtige Entscheidung war
.
Wenige Stunden vor unserer Abreise im März besuchte uns noch eine
Journalistin des "Daily Express" und fragte uns über das
Kokosholzprojekt aus.